"Graue Bilder" 2010

 

12 Bilder
Öl auf Leinwand
verschiedene Maße
2010

 

Diese Serie entstand, weil mir die Porträts über den Kopf wuchsen. (Ich hatte irgendwann das Gefühl, ich könnte noch hunderte davon malen, ohne dass das passiert, was ich vage im Sinn hatte: eine Art von Epiphanie…DAS Porträt… eine Vorstellung, die vielleicht nur jemand versteht, der nachvollziehen kann, dass man ja letztlich was anderes machen will als Bilder, Bilder… DAS Bild! Pustekuchen!) Irgendwann dachte ich, entweder ich schmeiß jetzt alles weg, oder ich nehme diesen destruktiven Impuls in die Arbeit auf - und ich fing an, die Porträts grau zu übermalen. (U.a. die sechs großen Grauen waren ursprünglich Porträts). 


Es begann eine Welle der "großen Säuberungen". Etliche Porträts versanken unter Grau. Ich konnte alles weglassen, was mir zu der Zeit auf die Nerven fiel: die Figuration, die Farbe, und die Komposition. Nur noch der immer wieder wiederholte Versuch, ein LOCH zu erschaffen. Als eine Art Rache ein Loch in die Welt zu machen. Etwas, was das Gerümpel beiseite schafft, indem da erst mal nur noch aktiv NICHTS ist.


Die ersten Bilder der Serie wurden gestisch, auf eine gewissermassen paläontologisch fossil eingefrorene Art. Während mich diese Bilder beruhigten, hatten sie auf manche Kollegen einen derart verstörenden Effekt, dass ich wegen ihnen aus meinem damaligen Gemeinschaftsatelier flog. 


Nach und nach begann ich, sie an den Seitenrändern nach einem metrischen Zufallsverfahren mit einem Rand farbiger Felder zu versehen. Ich wollte, dass diese Ränder gewissermassen schmale farbige Zweitbilder ergaben (wenn man die Leinwände von der Seite betrachtete), und dass sie mit der grauen vorderen Oberfläche auf eine ziemlich aggressive Weise ABSOLUT NICHTS zu tun haben sollten. Das ganze Unternehmen war so absurd, dass ich beim Arbeiten immer mal wieder laut lachen musste. Aber ich konnte irgendwie nicht damit aufhören. Die fast maschinelle Doofheit einer solchen Arbeitsweise kann etwas ausgesprochen Beruhigendes haben.


Als ich einige der Bilder in einer Ausstellung mit einer anderen Künstlerin zusammen zeigte, bei der wir intensiv zusammen arbeiteten, sagte diese im Vorfeld irgendwann: "Entweder diese Farbränder kommen weg, oder ich bin weg!!" 

Bei der Vernissage schließlich lachte jemand die ganze Zeit spöttisch. Später erfuhr ich, es war ein anderer Künstler, der zur Begründung erklärt hatte: "Diese Bilder tun so als bedeuteten sie etwas, aber in Wirklichkeit bedeuten sie gar nichts!". Ich fühlte mich verstanden, bin mir aber keineswegs sicher, ob die Bilder dieser Feststellung wirklich gerecht werden. Schön wär's ja. Jedenfalls bin ich seit all dem skeptischer, wenn mir jemand was von der grundsätzlichen Wirkungslosigkeit (ungegenständlicher) Kunst erzählt. Ich kann das nicht ganz bestätigen.

Die weiteren Bilder dieser Serie beruhigten sich an der Oberfläche und bekamen eher den Charakter einer steinernen (Grab-)Platte.

 

Ein paar Jahre später kam ich noch mal auf das Prinzip dieser Serie in einer weiteren zurück. Dabei fingen die Farbränder schließlich an, sich zu öffnen, gewissermassen aufzuplatzen. Das Prinzip des Bollwerks gegen die Welt bekam Löcher.

(P.S.: Die Farbränder selbst hier mit abzubilden, das hol ich noch nach!)

 

G10/IV - 60 x 50 cm

G10/XX - 60 x 50 cm


G10/II - 60 x 50 cm

G 10/XXIII - 80 x 60 cm


G 10 /VI - 50 x 60  cm

G 10/VIII - 50 x 60 cm

G 10/XIV - 50 x 60 cm

G 10/VII - 50 x 60 cm

G 10/X - 50 x 60 cm

G 10/XVI - 50 x 60 cm


 

G10/XVIII - 60 x 70 cm

 

G10/XXII - 80 x 100 cm